Straff organisiertes Fahrtenlager, Uniformen, militärisch kurzes Haar – das ist eine typische und in Teilen durchaus zutreffende Vorstellung rechter Jugendlicher in der Bonner Republik. Andere Nachwuchsnationalist*innen waren allerdings von den kulturellen Umwälzungen der 1960er-Jahre sichtlich nicht unberührt geblieben. Die Jugend der NPD war um 1970 bemüht um ein kreatives Selbst, um ‘Authentizität’ und Selbstverwirklichung auf Flohmärkten und Sperrmüllhalden, auf dem Tanzparkett ihrer „Disco National“ und begab sich sogar auf den Hippie-Trail nach Goa. Wie die „Jungen Nationaldemokraten“ ihr Verlangen nach individuellem Selbstausdruck artikulierten und Widersprüche zu ihren politischen Glaubenssätzen aushandelten, und welche Auswirkungen das auf ihre politischen Praktiken hatte, untersucht einer der Beiträge im neu erschienenen Sammelband zu den Lebenswelten der radikalen Rechten in der Bonner Republik.
Lebenswelten der radikalen Rechten in der Bonner Republik (Neuerscheinung)
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